"Klangerzeugung beim Cello mit unkonventioneller Bogentechnik" ein Projekt im Rahmen des Hertha Firnberg Programms für Postdocs, das vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF finanziert wird. 

 

Project number: FWF T 1295-G
Project leader: Montserrat Pàmies-Vilà
Research institution: Department of Music Acoustics – Wiener Klangstil (IWK)
University of Music and Performing Arts Vienna
Project Team: Montserrat Pàmies-Vilà, Vasileios Chatziioannou, Werner Goebl
Cooperation Partner: Charalampos Saitis, Queen Mary University of London
Date of approval: 21.06.2021
Project start: 01.09.2021
Project end: 31.08.2024
Scientific areas: 103, Physics (55 %)
604, Arts (45 %)
Keywords: Music acoustics, Bowed-string instruments, Performance Science, Sound analysis
Project data: tba.

Kurzfassung

Musikalische Akustik ist die Fachrichtung, die untersucht, wie Musikinstrumente funktionieren. Zahlreiche Studien haben im letzten Jahrhundert die Klangerzeugung sowie die Schwingungen der Instrumente und die Übertragung des Klangs analysiert. Die Analyse der Spieltechniken, die von Musiker:innen zur Ausführung verschiedener Klangeffekte eingesetzt werden, setzt experimentelle Methoden und Computersimulationen voraus, um die große Bandbreite musikalischer Klänge vollständig zu erfassen. Bei Streichinstrumenten wie der Geige oder dem Cello ist die Reibung an der Stelle, an der die Bogenhaare die Saite berühren, hauptverantwortlich für die Klangerzeugung. Spieler:innen steuern die Geschwindigkeit und die Kraft des Bogens, um einen sogenannten Stick-Slip-Effekt zu erzeugen: Der Bogen klebt für wenige Millisekunden an der Saite und dann gleitet die Saite schnell zurück, bevor der nächste Schwingungszyklus beginnt. Zumindest erwartet man dies von einem gewöhnlichen Streicherklang. Streichinstrumente können jedoch eine große Vielfalt an Klangfarben erzeugen. Komponist:innen und Spieler:innen erforschen neue Klangeffekte, wofür unkonventionelle Spieltechniken benötigt werden. Beispiele dafür sind Änderungen des Bogendrucks auf den Saiten, Streichen auf anderen Teilen des Instruments sowie Spielen mit dem Holzteil des Bogens. Solche Techniken stellen die Art und Weise infrage, wie die Erzeugung von Streicherklängen bisher definiert wurde und erfordern weitere systematische Forschung. Dieses Projekt widmet sich dem Studium unkonventioneller Streichtechniken auf dem Cello. Das Hauptziel des Projekts ist es, die Bogentechnik beim Cellospiel zu analysieren und dabei drei experimentelle Methoden zu verbinden. Die erste Studie wird den Klang und die Gesten charakterisieren, die erfahrene Cellospieler:innen bei der Ausführung konventioneller und unkonventioneller Bogentechniken verwenden. Dazu wird die Bewegung des Bogens während des Spiels mit Motion-Capture-Technologie aufgezeichnet, während Sensoren am Instrument dessen Vibration messen. Als zweite Methode wird ein Roboterarm in Kombination mit Sensoren eingesetzt, um eine fein kontrollierte Streichvorrichtung zu konstruieren. Die Bewegung des Bogens wird so genau reproduziert und analysiert. Im dritten Teil des Projekts wird eine Bewertung der Streichvorrichtung stattfinden. Dies soll durch eine akustische Analyse der aufgenommenen Signale sowie durch Hörtests durchgeführt werden, bei denen erfahrene Cellospieler:innen menschlich und künstlich erzeugte Klänge vergleichen werden. Durch die Kombination dieser Methoden wird das Projekt feststellen, in welcher Weise jede Eigenschaft des Klangs von den einzelnen Spielaktionen abhängt. Das Ergebnis soll eine systematische Beschreibung der Interaktionen zwischen Cellist:innen und ihren Instrumenten bieten, die zu einem besseren Verständnis der physikalischen Vorgänge bei der Celloklangerzeugung führen wird.

Diese Forschung wird durch den Wissenschaftsfonds (FWF) finanziert (T 1295-G).