FWF Signature Sound Vienna
Die Wiener Neujahrskonzerte unter der quantitativen Lupe

 

Project number: FWF P 34664-G
Project leader: David M. Weigl
Research institution:

Institut für musikalische Akustik – Wiener Klangstil (IWK)

Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung IMI)
mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Project Team: David M. Weigl, Werner Goebl, Markus Grassl, Delilah Rammler, Fritz Trümpi
Date of approval: 10.05.2021
Project start: 01.09.2021
Project end: 31.08.2024
Scientific areas:

102030, Semantische Technologien (30 %)

102035, Data Science (30 %)

605007, Digital Humanities (20 %)

604024, Musikwissenschaft (20 %)

Keywords: Music Informatics, Semantic Web, Digital Humanities, Digital Musicology, Linked Data, Music Information Retrieval
Project data: tba.

Projektbeschreibung

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ist seit Jahrzehnten ein internationaler Fixpunkt am Neujahrstag und erfreut mit seiner jährlichen Live-Übertragung ein Millionenpublikum in beinahe 100 Ländern weltweit. Es ist gleichermaßen geprägt von Beständigkeit und Wandel. Einerseits getragen vom Orchester der Wiener Philharmoniker, deren Mitglieder sich über acht Jahrzehnte nur langsam veränderten, wird es andererseits von wenigen berühmten Dirigenten geleitet, die in der ferneren Vergangenheit jahrelang im Amt waren, aber seit Mitte der 1980er Jahre jährlich wechseln. Über die Jahrzehnte hinweg wuchs das Repertoire allmählich an, gleichzeitig wiederholen sich jedoch einige Lieblingsstücke, so wie der Donauwalzer oder der Radetzkymarsch.

Die gesammelten Aufnahmen dieser Konzertreihe bieten eine reiche Ausgangsbasis für musikwissenschaftliche Analysen. Spielt das Orchester immer gleich, the same procedure as every year, oder lassen sich Veränderungen im Laufe der Zeit nachvollziehen? Erklären sich diese durch musikhistorische Tatsachen, etwa, wer das Orchester dirigierte oder als Konzertmeister wirkte? Ist die Handschrift der Wiener Philharmoniker bei der Aufführung dieser heutzutage scheinbar untrennbar mit ihnen verbundenen Kompositionen herauszulesen, wenn wir Ihre Darbietungen mit jenen anderer Orchester vergleichen? Wie steht es mit Wiener Orchestern im internationalen Vergleich—hat Wien hier wirklich einen eigenen Klang?

Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses ansprechenden Korpus ist eine große Herausforderung. Die digitale Musikforschung hat begonnen, neue Wege der computergestützten Musikwissenschaft zu etablieren. Wir machen uns diese Vorarbeiten zu eigen, kombinieren Bausteine aus drei verschiedenen digitalen Bereichen, um dadurch Analysen großer Datenmengen zu ermöglichen. Semantische Kodierung von Partituren macht Musikstücke sowohl für die Maschine als auch den Menschen verständlich. Die Musikinformatik ermöglicht Computern, aus Musikaufnahmen automatisiert zum Beispiel Tempo oder Dynamik zu jedem Zeitpunkt der Interpretation zu berechnen. Letztlich ermöglicht Web Science die Verknüpfung dieser Musikinformationen mit anderen historischen und kulturellen Daten. Dies beinhaltet zum Beispiel Informationen über Personen, die an einem bestimmten Konzert beteiligt waren, oder über die Art und Weise, wie das Konzert in Zeitungsrezensionen verarbeitet wurde.

Diese Technologien können musikwissenschaftliches Verständnis nicht ersetzen. Vielmehr stellen sie neue Analysewerkzeuge bereit: Neben detaillierter Erkundung einzelner Aspekte einiger Aufnahmen (“close listening”) können musikwissenschaftliche Fragestellungen an großen Sammlungen getestet werden (“distant listening”). Die Verflechtung von (historischer) Musikwissenschaft, die aus diesen Perspektiven neue Fragen schöpft, und Musikinformatik, die Tools zur Beantwortung dieser Fragen entwickelt, bildet den Kern unseres Projekts.


Diese Forschung wird durch den Wissenschaftsfonds (FWF) finanziert (P 34664-G).